Workshop easyEPD – Softwaregestützte Erstellung von Umweltproduktdeklarationen in der Holzindustrie

Sehr geehrte Damen und Herren,

das im Februar 2019 gestartete Projekt easyEPD hat zum Ziel, speziell für Unternehmen der deutschen Säge- und Holzindustrie das Verfahren für die Erstellung von Umweltproduktdeklarationen (EPDs) stark zu vereinfachen. Im Projekt wird eine frei zugängliche Softwarelösung entwickelt, die es Unternehmen ermöglichen soll, EPDs weitgehend automatisiert, aber unter Berücksichtigung firmenspezifischer Daten, zu erstellen. Auch die Verifizierung wird stark vereinfacht und weitgehend automatisiert.

Um den Bedarf und das Anforderungsprofil an die Nachhaltigkeitssoftware auf Produkt-, Unternehmens- und Branchenebene zu definieren, möchten wir Sie zu einem ersten Workshop am

17. Juli 2019
von 11:00 Uhr –16:00 Uhr
in das Maritim Hotel Würzburg | Pleichertorstraße 5 | 97070 Würzburg

einladen. Hier können Sie Ihre Vorstellungen für die Entwicklung der Softwarelösung diskutieren und einbringen. Zudem soll untersucht werden, ob Synergien mit vorhandenen Managementsystemen genutzt werden können und in welchem Umfang Daten in diesem Bereich bereits jetzt schon erhoben werden.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme

gez. Christina Reimann
Leiterin Markt & Produkte, DeSH

gez. Dr. Andreas Ciroth
Geschäftsführer, GreenDelta GmbH

gez. Sabine Helm
Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Lehrstuhl für Holzwissenschaft, Technische Universität München

Bitte melden Sie sich mit neben stehendem Anmeldeformular bis zum 12. Juli 2019 zur Veranstaltung an.

Ansprechpartnerin

Christina Reimann
Tel.: 030-2061399-08
E-Mail: christina.reimann@saegeindustrie.de

Projektpartner

Agenda
  1. Einführung in das Thema Umweltproduktdeklarationen (EPDs)
  2. Kurzvorstellung und Zielsetzung des Projekts easyEPD – Softwaregestützte Erstellung von Umweltproduktdeklarationen in der Holzindustrie
  3. Gemeinsame Entwicklung des Anforderungsprofils der Softwarelösung (moderierte Diskussion)
    a) Ergebnisse der DeSH-Mitgliederumfrage
    b) Datenerfassung und -anbindung
    c) Softwareentwicklung: Web- oder Desktopanwendung | Nutzerinterface | Nutzerführung
    d) Anwendungsmöglichkeiten: Erstellung von verifizierten EPDs | Generieren von Managementinformationen | Berechnung des Ressourcen- und Energieverbrauchs
  4. Nächste Schritte und Ausblick

Anmeldung

Ziele des Forschungsprojektes easyEPD

Die Erstellung von EPDs erfolgt bisher, bis auf wenige Ausnahmen, manuell (i. d. R. über einen Dienstleister) und erfordert die Qualitätssicherung durch einen anerkannten Verifizierer. Damit ist ein hoher Zeit- und Kostenaufwand verbunden, der viele Unternehmen, insbesondere kleine und mittlere Unternehmen, davon abhält, EPDs für ihre Produkte auszuweisen. Diese Hemmnisse versucht das im März 2019 gestartete Projekt „Easy-EPD“ durch die Entwicklung einer kostenlos verfügbaren Softwarelösung abzubauen. Das Verfahren für die Erstellung von EPDs soll dadurch stark vereinfacht und automatisiert werden. Easy-EPD wird von der GreenDelta GmbH koordiniert. Projektpartner ist die TU München, das IBU (deutscher Programmbetreiber für EPDs) und der DeSH sind assoziierte Partner. Gefördert wird das zweijährige Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF).

Das Easy-EPD Tool soll speziell auf die Holz- und Sägeindustrie zugeschnitten sein, insbesondere auf kleine und mittlere Unternehmen. Folgende Ziele werden dabei verfolgt, um Hemmnissen bei der EPD Erstellung entgegenzuwirken:

  • Kosten reduzieren: Easy-EPD ermöglicht eine deutliche Reduktion der Kosten im Vergleich zur manuellen EPD Erstellung. Die Datenstrukturierung für die Erstellung der EPDs hilft den Unternehmen zudem bei der Identifikation von Einsparpotenzialen auf Kostenebene.
  • Komplexität reduzieren: Die Softwarelösung verkürzt die klassische Prozesskette für die Erstellung von individuellen EPDs durch eine Verifizierung der Softwarelösung als EPD-Tool. Dabei wird der Datenbedarf der Unternehmen verringert.
  • Mehrwert generieren: Mit EPD-verifizierten Produkten können neue Marktsegmente erschlossen werden für die EPDs verpflichtend sind (z.B. Gebäudezertifizierungssysteme). Außerdem können Entwicklungen der Umweltauswirkungen von Unternehmen und Produkten dargestellt und kommuniziert werden.
  • Rohstoff- und Energieeffizienz optimieren: EPDs helfen dabei Rohstoff- und Energieverbräuche und Umweltauswirkungen entlang von Wertschöpfungsketten zu quantifizieren und sind damit ein wichtiger Schritt zur effizienten Nutzung- und Einsparung von Energie und Rohstoffen.
  • Synergien schaffen: Die Softwarelösung kombiniert die Erstellung von EPDs mit der Bereitstellung von Daten für betriebliche Managementsysteme (insbesondere Energie- aber auch Umwelt- und Qualitätsmanagement). Sie erlaubt außerdem die Berechnung des mit Produkten zusammenhängenden Ressourcenverbrauchs.
  • EPD Anzahl von Holzprodukten erhöhen: Die Softwarelösung ist eine Branchenlösung. Sie kann von jedem Unternehmen der Säge- und Holzindustrie genutzt werden. Über EPDs können die ökologisch vorteilhaften Eigenschaften von Bauprodukten aus Holz nachgewiesen werden.

Hintergrundinformationen

Was sind EPDs?

Umwelt-Produktdeklarationen (Environmental Product Declarations, kurz EPDs) charakterisieren Baustoffe, Baukomponenten, Bauprodukte und gebäudebezogene Dienstleistungen hinsichtlich relevanter Umweltwirkungen. Die methodische Grundlage dafür bilden Lebenszyklusanalysen sog. Ökobilanzen. Sie erlauben es objektive, quantitative und verifizierbare Informationen über den gesamten Lebenszyklus oder bestimmte Lebenszyklusabschnitte eines Bauproduktes abzubilden. Der gesamte Lebenszyklus beinhaltet die Herstellungsphase (Rohstoffgewinnung, Transport und Herstellung), die Errichtungsphase (Transport und Einbau), die Nutzungsphase (Nutzung und Instandhaltung) und die Entsorgungsphase (Abbruch, Transport und Abfallmanagement sowie etwaiges Recycling).

Normativer Hintergrund

EPDs sind international genormte Typ-III-Umwelt-Produktdeklarationen. Die DIN EN ISO 14025 regelt allgemein die Grundsätze und Verfahren für die Erstellung von EPDs. EPDs müssen demnach transparente, neutrale und durch einen unabhängigen Gutachter verifizierte Umweltinformationen aus dem Lebensweg eines Produktes zur Verfügung stellen.  Methodische Grundlage für die EPD ist die international anerkannte Ökobilanz-Methodik nach ISO 14040/44. Speziell für die Produktkategorie der Bauprodukte spezifiziert die EN 15804 die Grundregeln für die Erstellung von EPDs durch Festlegung sog. Produktkategorie-Regeln. Dadurch wird sichergestellt, dass alle EPDs für Bauprodukte, Bauleistungen und Bauprozesse in einheitlicher Weise berechnet, dargestellt und verifiziert werden. Die DIN EN 15804 schafft damit die Voraussetzung für europaweit gültige EPDs.

Wie werden EPDs erstellt?

Grundsätzlich können EPDs über privat organisierte Programmbetreiber erstellt werden. In Deutschland ist das EPD-Programm des Deutschen Instituts für Bauen und Umwelt der größte Programmbetreiber. Die Programmbetreiber stellen sog. Produktkategorien zur Verfügung (Product Category Rules, kurz PCRs) welche spezifische normenkonforme Regeln, Anforderungen und Leitlinien enthalten, um EPDs für eine bestimmte Produktkategorie zu erstellen. Existiert noch keine PCR für ein bestimmtes Produkt, so unterstützt der Programmbetreiber bei der Entwicklung einer entsprechenden PCR. Für Bauprodukte aus Holz existieren bereits einige PCRs, zum Beispiel die PCR für Vollholzprodukte oder die PCR für Holzwerkstoffe.

Die Erstellung einer EPD erfolgt in den drei folgenden Schritten:

  1. Zuordnung des Produktes zur entsprechenden PCR bzw. Erstellung einer entsprechenden PCR
  2. Erstellung der EPD (Ökobilanz) auf Basis der PCR
  3. Verifizierung durch einen unabhängigen Dritten auf Normenkonformität, Einhaltung der PCR, Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz der Berechnungen
  4. Veröffentlichung der EPD (Gültigkeit fünf Jahre)

Der aufwändigste und auch kosten- und zeitintensivste Schritt bei der EPD Erstellung ist die Ökobilanz. Berücksichtigt werden nicht nur die Umweltwirkungen des Herstellungsprozesses des Produktes, sondern auch seiner Vorprodukte. Sämtliche verwendeten Hilfs- oder Betriebsstoffe wie beispielsweise Klebstoffe oder Bindemittel, die Prozesse der Energieerzeugung, der Ernte und Bereitstellung der benötigten Rohstoffe sowie alle Transporte fließen in die Analyse mit ein.  Ein weiterer Teil der Ökobilanz ist die Nutzung und die Entsorgung beziehungsweise das Recycling des Produktes und seiner Bestandteile nach der Nutzung. Die Daten zur Rohstoffgewinnung, Nutzung und Entsorgung sind dabei meist für jedes Material bereits in Ökobilanz-Datenbanken hinterlegt und müssen nicht erhoben werden. Herstellerspezifische Daten über den Input von Materialien, Energie und Transportwegen während der Produktherstellung müssen erhoben werden und mit den Vorketten verknüpft werden. Mithilfe von softwaregestützten Modellierungen werden aus den Stoff- und Energieströmen Indikatoren abgeleitet und daraus die Umweltwirkungen in den folgenden sieben Kategorien nach EN 15804 berechnet:

  • Potenzial für die Verknappung von abiotischen fossilen Ressourcen
  • Potenzial für die Verknappung von abiotischen nicht-fossilen Ressourcen
  • Versauerungspotenzial von Boden und Wasser
  • Potential des Abbaus der stratosphärischen Ozonschicht
  • Treibhauspotenzial
  • Eutrophierungspotenzial
  • troposphärisches Ozonbildungspotential

Nutzen einer EPD

Für die Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden:

Gebäudezertifizierungssysteme wie DGNB (Deutsches Gütesiegel für Nachhaltiges Bauen, Deutschland), BNB (Bewertungssystem für Nachhaltiges Bauen, Deutschland), LEED (Leadership in Environmental & Energy Design, USA) oder BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Method, England) fordern von Immobilieninvestoren und Bauträgern Nachhaltigkeitskriterien bei der Bauproduktauswahl zu berücksichtigen. Dadurch gewinnen EPDs zunehmend an Bedeutung, denn sie liefern eine wissenschaftlich fundierte Datengrundlage für Gebäudebewertungen im Hinblick auf die ökologische und technische Qualität. EPDs sind international anerkannte Instrumente zur Nachhaltigkeitsbewertung von Gebäuden. Sie ermöglichen die Berechnung der Umweltwirkungen wobei bereits in der Planungsphase verschiedene Varianten des gleichen Gebäudes hinsichtlich der ökologischen Qualität verglichen werden können. In Deutschland tragen BNB- und DGNB-Zertifizierungen zur Steigerung des Kapitalwerts von Gebäuden bei. Seit 2011 ist das BNB sowie auch der inzwischen ergänzte und aktualisierte Leitfaden für Nachhaltiges Bauen verbindlich für Bundesbauten. Der Besitz einer Umweltproduktdeklaration bietet daher Wettbewerbsvorteile.

Für den Hersteller:

Die Erstellung einer EPD ermöglicht dem Hersteller, die Umweltwirkungen seiner Produkte zu bestimmen, durch unabhängige Dritte zu prüfen und damit eine aktuelle, glaubwürdige und transparente Informationsquelle für Architekten, Planer und auch Kunden zu schaffen. Die umfassenden prozessbasierten Ergebnisse der Ökobilanzierung kann der Hersteller zudem nutzen um Potentiale für eine Verbesserung der Rohstoff- und/oder Energieeffizienz (und damit auch Kosteneinsparpotenziale) aufzuzeigen und die Umweltwirkungen durch das Produkt möglichst gering zu halten.

Verbreitung von EPDs

Aktuell sind vom Institut für Bauen und Umwelt e.V. (IBU) 1751 gültige EPDs veröffentlicht, wovon 1644 sich auf Bauprodukte beziehen, der Rest auf Vorprodukte, Gebäudetechnik oder gebäudebezogene Dienstleistungen). Von den Bauprodukten sind 63 Holzwerkstoffe und 47 sind Produkte aus Bauholz (Doppelnennungen sind möglich bei Veröffentlichung in mehreren Sprachen). Von den 47 Bauholz-EPDs existieren 22 in deutscher Sprache, nur wenige davon sind von deutschen Herstellern.

Weitere Informationen zum Thema EPDs finden Sie beim Institut Bauen und Umwelt e.V. (IBU): https://ibu-epd.com/epd-programm/